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Gegen Einzelhaltung / Tagebuch eines Einzelvogels

Tagebuch eines Einzelvogels

Den größten Schock habe ich überwunden. Drei Tage sind vergangen, seit dieses große Greifding mich und meine Geschwister packte und in einen dunklen Raum setzte. Jetzt sitz' ich in einer neuen Wohnung mit ganz vielen Anderen. So viele neue Gesichter – ist das aufregend! Ich vermisse meine Eltern... Aber die Anderen bringen mich immer schnell auf andere Gedanken, wenn ich traurig bin. Leider sind aber schon viele von ihnen verschwunden – das fiese Greifding hat sie entführt.


Gestern hat das Greifding auch mich erwischt. Ich wäre fast gestorben vor Angst. Jetzt sitze ich hier rum - schon wieder in einer neuen Wohnung. Alleine. Keiner da, der mir beisteht... Nur dieses riesige federlose Wesen, das oft vor meiner Wohnung steht und komische Töne macht. Ich habe Angst. Es ist so entsetzlich still hier.


Ich glaube, das große federlose Wesen will mir nichts Böses. Es steht oft bei mir und macht diese seltsamen Töne. Es wirkt gar nicht mehr so bedrohlich wie am Anfang.


Oh Mann ist das öde hier! Öde öde öde öde! Wann wohl die Anderen kommen?


Ich habe festgestellt, dass die Greifdinger an den federlosen Wesen dranhängen. Täglich reicht das federlose Wesen mir damit mein Futter. Und ganz tolle Leckereien. Ich glaube, dieses Greifding will mich nicht fangen. Ich bin aber trotzdem noch sehr vorsichtig, wenn ich mir eine Leckerei von ihm abhole.


Heute war ich sehr mutig und hab mich beim Fressen auf das rosa Greifding gesetzt. Dort sitzt es sich ziemlich bequem!


Ein fürchterlicher Gedanke lässt mich nicht mehr los: Was, wenn die Anderen gar nicht kommen? Wenn ich hier alleine bleiben muss? Nicht dran denken... Fressen lenkt ab.


Das federlose Wesen ist echt ok. Hat immer was Leckeres dabei. Wenn ich rumfliegen darf, dann lande ich schon mal auf ihm. Die fusseligen langen Dinger ganz oben auf dem federlosen Wesen fühlen sich fast so an wie die Federn meiner Freunde.


Es ist echt langweilig hier. Meine Federlose geht morgens aus dem Haus und kommt erst Abends wieder. Aber wenn sie da ist, darf ich rumfliegen. Mittlerweile sitz ich meistens bei ihr. Dann bin ich nicht so allein.


Seit ein paar Tagen ertappe ich mich dabei, wie ich mit meinem Spiegelbild rede – lächerlich... Ich werde doch wohl nicht wahnsinnig?!


Toll, ich habe herausgefunden, dass die Zeit schneller vergeht, wenn man seine Federn ganz, ganz sorgfältig putzt. Da ist man echt prima mit beschäftigt. Dummerweise fallen manche dabei aus. Aber ich hab ja genug.


Haha, heute ist es mir gelungen, eines der komischen Geräusche nachzumachen, die meine Federlose immer von sich gibt. Ihr scheint das gefallen zu haben, zumindest hat sie so geklungen. Und es gab Hirse. Lecker. Ob es mir wohl gelingt, ihre Sprache zu lernen? Dann können wir uns vielleicht unterhalten.


Ich rede immer öfter mit meinem Spiegelbild. Ist doch eigentlich gar nicht so schlimm, oder? Wenn ich mich darin sehe, kann ich mir vorstellen, ich spräche mit einem guten Freund.


Mir ist aufgefallen, dass ich viele wichtige Bestandteile meiner Sprache vergessen habe. Ich muss mich wieder erinnern! Ab heute werde ich täglich eine Stunde laut vor mich hinrufen, vielleicht hilft das ja gegen das Vergessen.


Also ich mache mir echt Sorgen um meinen Spiegelfreund. Der frisst nichts. Ich versuche ständig, ihn zu füttern, aber er mag es nicht essen. Der verhungert noch! Und der macht mir alles nach! Komisch…Ich rufe laut nach meiner Federlosen, aber sie versteht nicht, was ich will. Sieht die denn nicht, dass mein Freund hier nichts frisst?!


Huch, schon wieder viel Zeit vergangen. Es gab aber auch nix Neues zu berichten... Ich bin mittlerweile echt sauer. Jetzt lebe ich schon so lange mit meinem Kumpel zusammen, und er redet immer noch kein einziges Wort mit mir! Manchmal ertappe ich mich dabei, wie ich ihn verkloppe. Aber auch darauf reagiert er nicht. Ich glaube, der ist nicht ganz dicht, der Gute…Ihm meinen Kopf hinzuhalten, damit er mich krault, habe ich längst aufgegeben. Der macht das nicht, egal wie lange ich ausharre. Wie kann man bloß so stur sein?! Ansonsten gibt es nichts Neues.


Ich kann mittlerweile ein paar Pfeiftöne nachahmen, die meine Federlose immer macht. Das findet sie total toll. Schön, wenn ich ihr eine Freude machen kann. Vielleicht geht sie dann ja morgens nicht mehr weg und lässt mich alleine? Ich rufe jetzt jedes Mal nach ihr, wenn sie den Raum verlässt. Vielleicht bleibt sie dann ja. Diese Einsamkeit macht mir Angst. Ansonsten ist alles wie immer.


Mir ist so langweilig. In letzter Zeit kommt meine Federlose immer später nach Hause. Meistens schlaf ich dann schon. Mein blöder Kumpel ist immer noch schweigsam. Ich kann ihn füttern, besingen oder sogar hacken, der reagiert einfach nicht. Von Kraulen ganz zu schweigen. Dabei bräuchte ich dringend Hilfe bei den Federn auf meinem Kopf. Da sind schöne neue Federn gewachsen, aber ich komm nicht da dran, um die alten Hülsen zu entfernen, in denen sie teilweise noch stecken. Frustrierend. Sieht bestimmt total blöd aus. Und außerdem juckt das! Nix los hier ansonsten.


Wenn meine Federlose da ist, brüll ich jetzt so lange rum, bis sie mich rauslässt und ich bei ihr sitzen darf. Das hilft, hihi. Nur leider ist sie so selten da...


Heute war der aufregendste Tag in meinem Leben! Ich bin woanders, bei fremden Federlosen. Meine Federlose hat geweint, und was gemurmelt wie „es ist besser so, mein Freund“. Tja, jetzt sitz ich hier, und höre Geräusche, die mich an früher erinnern.


Wir waren bei einem gemeinen Federlosen, der mir im Hals rumgebohrt hat. Das war schlimm. Ich sitze immer noch hier rum und vermisse meine Federlose.


Hab ich gesagt, der aufregendste Tag meines Lebens sei schon gewesen? Gelogen! Heute bin ich schon wieder umgezogen. Und zwar in ein riesiges Haus! Das beste ist, da sind ganz viele wie ich! Sie haben mich sehr nett begrüßt. Sie meinen allerdings, dass ich komisch spreche. Ich versteh sie auch nicht immer, aber egal. Endlich mal jemand, der mir antwortet!


Mittlerweile hab ich mich eingelebt. Es ist so toll hier! Es ist immer was los, wir feiern ständig Partys, hihi. Ich verstehe mittlerweile alles, was die Anderen sagen. Sie finden auch, dass ich besser spreche. Aber das Tollste ist, dass ich jemanden kennen gelernt habe. Die schönste Vogelfrau, die ich je gesehen habe. Und sie mag mich auch! Ich bin so glücklich.


Ich bin der glücklichste Vogel der Welt! Ich bin verliebt! Und wisst Ihr eigentlich, was für ein tolles Gefühl es ist, wenn einem die schönste Vogelfrau der Welt den Kopf krault? Nein, könnt Ihr ja gar nicht, Ihr seid ja Menschen!

Anja12

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