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Ratgeber / Hinweis zur Mischhaltung

Mischhaltungen

Immer mal wieder hört oder liest man, dass die gemeinsame Haltung unterschiedlicher Vogelarten kein Problem sei - aber leider wird oft vergessen zu erwähnen, dass bei einer funktionierenden Gemeinschaftshaltung unterschiedlicher und zum Teil grundverschiedener Vogelarten sehr wohl Besonderheiten vorhanden sind bzw. es auch einfach um Ausnahmefälle handelt.

Uns ist klar geworden, dass auch das Banner von gegen-einzelhaltung.de dazu beitragen könnte, den Eindruck zu verfestigen, dass diese dort gezeigten grundverschiedenen Vogelarten eventuell gefahrlos gemeinsam gehalten werden können - aber reibungslos klappt dies eben wirklich nur auf dem Banner. ;-)

Wir möchten an dieser Stelle auch ganz klar Stellung beziehen: und zwar gegen die Mischhaltung unterschiedlicher Arten!

Natürlich gibt es Vogelarten, die sehr wohl ein friedliches Leben miteinander führen können, außerdem gibt es auch immer besonders friedfertige Exemplare einzelner Arten, die problemlos mit anderen Arten klarkommen - aber jeder muss sich darüber im Klaren sein, dass es sich um geglückte Experimente handelt, deren Ausgang vorher ungewiss war.
Jeder Vogelhalter, der Mischhaltungen hat, ist froh darüber, wenn alles gut läuft, die meisten sind sich darüber im Klaren, dass es Probleme geben kann - zum Glück für viele Vögel ist der Anteil der Halter, die eine Mischhaltung einfach mal ohne große Vorabgedanken ausprobieren, sehr gering.

Wir möchten an dieser Stelle dafür plädieren, der Haltung einer einzelnen Art immer den Vorzug zu geben!

Es gibt zwei Arten von Mischhaltungen, von denen eine völlig unverantwortlich ist: das gemeinsame Halten einzelner Vögel unterschiedlicher Arten. Das geht gar nicht, jeder Vogel braucht mindestens einen artgleichen Partner, damit er sich verständigen kann und den Austausch findet, den er kennt und versteht.

Dann gibt es noch die Vogelhalter, die gerne mehrere Arten halten, weil das ja viel interessanter ist, als nur eine Vogelart zu halten.
Hier muss sich aber jeder verantwortungsvolle Vogelhalter fragen, ob er den Ansprüchen mehrerer Vogelarten überhaupt gerecht werden kann.

Denn unterschiedliche Vogelarten haben immer auch unterschiedliche Ansprüche, selbst Vogelarten, die sich in der Natur einen Lebensraum teilen, müssen in einem Vogelzimmer / einer (Außen-)Voliere nicht zwangsläfig gut miteinander auskommen.

Spitzschnäbel sind Krummschnäbeln häufig unterlegen und zahlen für die Fehler der Halter

Die Kombination aus Krumm- und Spitzschnäbeln ist besonders heikel. Die meisten Krummschnäbel (alle Papageienvögel) sind sehr neugierig und knabbern gern - auch an den Füßen ihrer Mitbewohner. Das geht gelegentlich schon blutig aus, wenn sie unter sich sind, wobei größere Schnäbel bei kleineren Mitbewohnern größeren Schaden anrichten als bei Artgenossen.

Spitzschnäbel - Kanarienvögel, Prachtfinken etc. - sind in fast jedem Fall zierlichere Vögel, die den kräftigen Krummschnabel-Schnäbeln nichts entgegensetzen können - werden sie in den Fuß oder ins Bein gezwickt, ist oftmals eine Kralle ganz ab und das Bein durchgebissen, also gebrochen. So eine Wunde kann sich auch infizieren und der Zwischenfall kann für den betroffenen Vogel sehr gravierende Folgen haben - schlimmstenfalls kann er den Optimismus seines Halters mit dem Tode bezahlen.

Großpapageien: Gefahr für, aber auch gefährdet durch kleinere Vögel

Eine andere, auch besonders heikle Kombination stellt die gemeinsame Haltung von Großpapageien mit kleineren Arten dar.
Große Papageien haben einen dermaßen großen Schnabel und soviel Kraft darin, dass jeder kleinere Vogel (hier ist dann völlig egal, ob es sich um andere Krummschnäbel oder um Spitzschnäbel handelt) - und mitunter auch gleichgroße Vögel derselben Art - den Kürzeren ziehen und die Verletzungen sehr gravierend sein können.
Aus diesem Grund raten wir von dieser Art der Mischhaltung noch dringender ab als von allen anderen - jeder, der den Größenunterschied zwischen Papagei und einem Sittich gesehen hat, wird sich hoffentlich automatisch darüber im Klaren sein, dass das zusammen gar nicht geht.
Natürlich müssen Großpapageien - wie jede andere Vogelart auch - mindestens paarweise gehalten werden, allerdings ist die Vergesellschaftung vorsichtiger und langsamer durchzuführen, damit die zukünftigen Partnervögel Zeit haben, sich aneinander zu gewöhnen - und daran, eventuell nach vielen Jahren nicht mehr allein zu sein.
Ein weiteres Argument gegen die Haltung von Großpapageien gemeinsam mit Sittichen und anderen Vögeln ist zudem, dass gerade Großpapageien eine geringe Toleranz gegenüber Viren haben als Sittiche. Viele Sittiche können Träger von Krankheiten sein, die ihnen selbst und auch ihren Artgenossen (normalerweise) nichts ausmachen - kein Sittich erkrankt daran. Papageien könnten allerdings auf diese Viren mit Erkrankungen reagieren, die bei ihnen auch einen deutlich drastischeren Verlauf haben können, als man es von Sittichen gewohnt ist.

Kleinere Vögel in Gesellschaft größerer Vögel können durch falsche Ernährung und zu wenig Bewegung krank werden

Neben den schon erwähnten gesundheitlichen Risiken durch Bisse möchten wir auf einen weiteren Aspekt der Mischhaltung aufmerksam machen: die unterschiedlichen Anforderungen an die Ernährung und daraus resultierende gesundheitliche Schäden.
Unterschiedliche Vogelarten haben normalerweise völlig unterschiedliche Anforderungen an die Ernährung, bei einer Mischhaltung vor allem von unterschiedlich großen Arten aus unterschiedlichen Lebensräumen kann es deshalb zu ernährungsbedingten Erkrankungen kommen, die z.B. aufgrund zu fetthaltigen Körnerfutters entstehen können.
Eine weitere negative Auswirkung der Mischhaltung kann die verringerte Aktivität sein: Die schwächere Art könnte aus Vorsicht, der anderen Art in die Quere zu kommen, dazu neigen, sich weniger zu bewegen / in sicherer Distanz zu verweilen bzw. seltener den eigenen Käfig zu verlassen. Und wenig Bewegung führt meistens auch zu gesundheitlichen Problemen, weil Vögel nicht erkennen, dass sie weniger essen müssen, wenn sie sich wenig bewegen.

Wir möchten also aus allen diesen genannten Gründen eindringlich von Mischhaltungen abraten - zum Einen wegen der vorgenannten Gründe, zum Anderen aber auch, weil einem größeren Schwarm einer Vogelart - entsprechende Verträglichkeit mehrerer erwachsener Vögel zusammen in einer Gruppe vorausgesetzt - immer der Vorzug gegenüber der Paarhaltung gegeben werden sollte.

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