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Lupo

Fips und LupoAuf der Suche nach zwei weiteren Wellensittichen stieß ich auf eine Internetanzeige, in der ein zweijähriges Wellensittichpärchen angeboten wurde. In der Anzeige wurden ausführlich der Käfig und das Zubehör beschrieben, jedoch über die Vögel gab es nur die Info: Zwei Jahre, grün und blau.

Am Telefon erfuhr ich, dass die beiden knallhart drei Mal pro Woche eine Stunde Freiflug bekämen und beschloss, beide Wellensittiche zu holen. Bei der Abholung lernte ich neben der alten Besitzerin auch die tierische Wohngemeinschaft von Lupo kennen: Zwei Ratten, ein Kanarienvogel, zwei Kaninchen, zwanzig Rennmäuse, sowie zwei Hunde und eine Katze lebten mit der Frau, ihrem Lebensgefährten und einem Kleinkind zwischen verdrecktem Mobiliar, tausenden Schmeißfliegen und Browsergames (neben der Übergabe musste schnell was geklickt werden).

Nur, wo steckt denn bitte der zweite Wellensittich? – Der sei gerade gestern weggeflogen, es täte der Frau furchtbar leid. Ob ich mal die Ratten streicheln wolle. Ich wollte nicht und erklärte, dass ich selbst einen Wellensittichkäfig besäße und diesen nicht mitnehmen wolle. Die Ratten hatten während ihres Freigangs offenbar sehr häufig auf den Käfigen uriniert, es roch wirklich bestialisch, der Käfigboden war komplett mit Futterresten bedeckt und es gab kein frisches Trinkwasser, nur eine Badewanne vor dem Türchen und ein Apfel klemmte vor einem vollgefütterten Spiegel.

Ich griff den völlig verstörten Vogel, der spontan eine Schockmauser erlitt, das heißt er verlor auf einen Schlag eine sehr große Anzahl Federn. Da musste er nun durch, ich konnte es selbst nicht länger in dieser unhygienischen Wohnung aushalten. Ob ich das "Badesalz für Vögel" noch mitnehmen wolle – nein danke, sowas ist übrigens unsinnig und schädlich.

Bereits auf der Heimfahrt erkannte ich, dass Lupo weitaus länger allein gelebt haben musste. Die Töne, die dieser kleine Wellensittich machte, klangen sehr stark nach dem kleinen Kanarienvogel, der zwei Käfige weiter vegetierte. Die Tierärztin erklärte, Lupo sei vollkommen gesund, fast ein Wunder.

Der erste Kontakt mit den beiden Hennen, die ich vorher schon hatte, verlief extrem schön, alle freuten sich sehr aufeinander, auch wenn die Mädels überhaupt nicht verstanden, was Lupo für Töne von sich gab. Die Freiflugstunden müssen weitaus knapper gewesen sein, als mir am Telefon berichtet wurde, denn seine Flugversuche waren sehr anstrengend für ihn. Zuhause bemerkte ich noch weitere Macken. Er saß anfangs stundenlang mit einem Füßchen tippend auf einer Stange, wenn ihm eine Situation merkwürdig vorkam oder ging die Stangen von einer zur anderen Seite ab, immer hin und her.

Lupo und EnselMittlerweile höre ich die Kanarien-Töne nur noch sehr selten und auch das Trippeln und seitlich Gehen ist sehr selten geworden. Lupo kann inzwischen so einige Runden im Welli-Zimmer drehen und hat sich zu einem prachtvollen, aber auch sehr dominanten Hahn entwickelt. Er hat nach einer kurzen Liaison mit einer meiner Hennen nun Ensel, einen meiner Hähne als Partner.

Anne

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